Dienstag, 11. Dezember 2007

Magentropfen und Waschbären

Die Wochenenden
Warum hat das dieses mal so lange gedauert bis der Kerl sich meldet? Leider sind mir keine Ausreden eingefallen, daher muss ich es wohl oder übel zugeben: Ja ich habe ein Wochenende keinen Roadtrip gemacht! Schuldig im Sinne der Anklage…. dafür sind jetzt auch alle Wochenenden bis zu meiner Heimfahrt schon verplant ;-) Gut zu dem Chill-Wochenende. Am Freitagabend in San Francisco im Kino gewesen und Samstagabends zur Siemens Weihnachtsfeier. War eigentlich ganz nett: Wirklich gutes Essen (italienisch, kubanisch, chinesisch, japanisch und indisch), Cocktail-Tische, viele Leute mit Tabletts voller Häppchen die um einen herumgeschwänzelt sind, witzige Gruppenspielchen und Casino Games – man ich hatte so ein Glück, wäre ich nur in Las Vegas gewesen…..
Letztes Wochenende waren wir dann im Six Flags Magic Mountain. Zur Info: Six Flags ist eine amerikanische Freizeitparkkette und Magic Mountain ist der größte Six Flags der USA, und damit auch gleichzeitig der weltgrößte Rollercoasterpark. Da musste ich natürlich hin! Kurz zur Orientierung, nehmt die größte Achterbahn, welche es in deutschen Freizeitparks gibt (z.B. Silverstar im Europapark): dort findet man gleich mal 14 davon. Es gibt alle Arten: normal sitzend, sitzend ohne Wagen unter sich, liegend (wie Superman) ohne Wagen unter sich, stehend, vorwärts, rückwärts….. Einfach super! Am Samstag ging es ganz früh los, geschmeidige 330 Meilen und schon waren die 4 tapferen Krieger bei ihrem G-Kräfte-Training angekommen. Alles war perfekt: Die Sonne hat geschienen, der Park war total leer (kein Anstehen!) und Aspirin gegen Rollercoaster-Kopfweh dabei. Also los geht’s:

Top fit lässt Markus Ries das Kassenhäuschen hinter sich, gekonnt durch die Sicherheitskontrollen und, dank seiner Erfahrung, schlängelt er sich zielsicher durch die verwundenen Wege direkt zur ersten Achterbahn. Und da ist er auch schon durch die Warteschlangen hindurchgeflitzt und sitzt in der Achterbahn. Oh sehr schön in den ersten Looping, gekonnt durch den Korkenzieher und da ist er auch schon wieder aus der Bahn draußen - und man glaubt es kaum – direkt auf dem Weg zum nächsten Rollercoaster. Unglaublich! Wunderbar, wie er die leeren Anstehschlangen gerade so durchquert, als wären sie nicht da, und da ist er auch schon im Wagen, sehr schön in die Kurve, hoch, runter, hier spielt er all seine Abgeklärtheit aus, und ist auch schon wieder am Ausgang des Fahrgeschäftes. Gleich weiter zum nächsten Fahrgeschäft, geschmeidig in den Wagen und ab in die erste Kurve. Nun kommt ein gefährlicher Augenblick, doch ja er bewältigt auch die rückwärts fahrende Achterbahn ohne Problem. Doch was ist das? ohhhhhhhhhhhh nein er bricht ein, das sieht gar nicht gut aus, der Rückwärtslooping hat ihm schwer zugesetzt. Das müssen wir uns noch mal in der Zeitlupe anschauen: weiter, noch ein bisschen weiter, ahh genau hier bei 123,78 ° im Rückwärtslooping ist der Magen in die Füße gerutscht. Oh das sieht gar nicht gut aus, akute Übelkeit ………

Mein Gott, das Ding hat mich echt aus der Bahn geschmissen (man beachte das Wortspiel). Bin trotzdem alles gefahren, aber Eines hab ich gelernt. Das nächste Mal nicht nur Aspirin mitnehmen, sondern auch Magentropfen. Irgendwie hat mich der Tag echt fertiger gemacht als die Tour in den Grand Canyon :-). Dessen ungeachtet war der Tag einfach genial, auch wenn ich mir sicher bin, dass ich einen halben Liter Flüssigkeit durch Tränen im Fahrtwind verloren habe. Das einzige was man kritisieren muss: Bei unseren Freizeitparks hat jede Achterbahn ein Thema und die gesamte Umgebung wird sehr liebevoll und detailliert nach diesem Thema gestaltet. Hier in USA ist es eher Achterbahn auf alten Parkplatz, 2 Bäume pflanzen und das war’s. Daher fehlt so ein bisschen das Freizeitparkfeeling, aber man kann nun mal nicht alles haben. Dann Richtung San Francisco aufgebrochen, in den Bergen meinen ersten Schnee dieser Saison gesehen, in einem Motel übernachtet und im Laufe des Sonntags nach Hause gekommen.

So was ist mir sonst noch passiert ist
- Eines Abends war ich ne Runde biken. Also raus aus der Vorstadt, in die „open space“ und auf den erstbesten Weg. Prompt steht da so ein lächerliches Schild „Zum Schutz der Allgemeinheit sind Mountainbikes auf Wegen schmaler als 8 inches verboten,“, aber genau da macht das doch Spaß und hier draußen gibt es keine Allgemeinheit! Also egal, schön los auf den Weg, um die erste Kurve rum.Verdammt: Pick Up samt Ranger genau vor mir. „Es ist verboten auf solch kleinen Wegen zu fahren“. „Oh das wusste ich nicht, das tut mir jetzt aber leid“. „Sie haben doch gerade an einem Schild angehalten, genau dieses Verbot gelesen und sind weitergefahren“. Oh no, der hat mich gesehen „ach Sie meinen DAS Schild, ach wissen Sie ich bin aus Deutschland, kein Gefühl für Inches, blablbalab Amerika toll, balballaba so tolle Natur hier blablbalablbl“. Schließlich hat er sich breitschlagen lassen und nur meinen Namen notiert, nächstes Mal darf ich 150 $ blechen. TOLL! Naja, dann also auf breiten Wegen weitergefahren und da höre ich in der Nähe Schüsse. Oh hier gibt es wohl Jäger, Moment! du bist in Amerika da hat jeder Idiot ne Waffe, also lieber zurück zum Ort. Natürlich hatte ich völlig Unrecht, es war kein Idiot der da rumgeschossen hat. Nein, es war ein sehr verantwortungsbewusster junger Mann, der in seinem Hintergarten wild fluchend auf Waschbären geballert hat! Kurz zu Waschbären, wisst ihr warum die so heißen! Ich wusste es nicht, im Nachhinein ist es zwar logisch aber ich finde es toll: Nehmen wir mal ihr habt einen Apfelbaum und einen Teich im Garten. Der Waschbär würde auf den Baum klettern, den Apfel runterschmeißen, den Apfel und seine Pfoten im Teich waschen und dann wird gegessen. Auf jeden Fall sind diese niedlichen (die sind so putzig) und sehr intelligenten Tiere, hier eine große Plage und deswegen ist der nette junge Mann wohl so ausgeflippt. Fairnesshalber muss ich jedoch zugeben, dass das meine erste Erfahrung mit Waffen in Kalifornien war. Außerdem haben fast alle Leute, mit denen ich bisher gesprochen habe, nicht mal ne eigene Waffe. Anderseits soll Kalifornien da auch eine Ausnahme sein.

- Falls ihr in USA mal viel Spaß haben wollt, dann geht zur Weihnachtszeit in einen Supermarkt und fragt die Verkäufer ob sie einen Adventskalender haben. Dann kann es euch schon mal passieren, dass man, nach der Erklärung was ein Adventskalender ist, sehr sehr dumm angeschaut wird. Jedoch wollen die Verkäufer hilfsbereit sein, also erklärt man die Geschichte dann 3 mal und am Schluss schauen einen 3 Verkäufer dumm an :-) Ich hasse amerikanische Banken. Hab nach 2 Monaten endlich meinen Mietausgleichscheck bekommen. Bin dann zur Bank gegangen und dann „Sie sind Ausländer und haben das Konto noch nicht so lange, daher ist das Geld erstmal 1 Woche gesperrt!“ Arggg.

- Zu guter Letzt muss ich euch etwas gestehen. Ich habe lange mit mir gerungen ob ich es euch erzählen soll, stundenlang überlegt, das Für und Wider abgewogen, Rat bei anderen Leuten gesucht, in der Bibel nachgelesen und bin schließlich zu dem Schluß gekommen dass ihr ein Recht auf eine unzensiert Berichterstattung habt. Daher: „Ja es stimmt, ich musste letzte Woche an drei aufeinander folgenden Tagen in der Früh kratzen“


2 Kommentare:

Franciska hat gesagt…

Hey Schnubbi, "groesser wie 8 inches", da dreht sich einem ja der Magen um... ich dachte du koenntest es langsam!
Sonst aber wie immer sehr unterhaltsam dein Blog!
LG FRanci

Markus hat gesagt…

Da kommt man in der Früh ins Büro, schaut auf den Blog, juhuhu ein Kommentar und dann das :-)

Ach Franci das hab ich wirklich vermisst, aber ich hab dir das doch erklärt: i kann nix für des is ne fränkische Behinderung.... ;-)
Geändert habe ich es trotzdem, danke!