Zuerst ein Nachtrag, hab da eine Kleinigkeit vergessen: ich saß gerade an meinem PC, surfe fröhlich im Internet und muss mich wundere wie um alles in der Welt ich es geschafft habe meinen Tisch, durch bloßes tippen auf der Tastatur, so zum wackeln zu bekommen. Mit dieser Aufgabe war mein Hirn scheinbar so beschäftigt, dass es einige Zeit dauerte, bis die Information meiner Nerven, dass auch mein Stuhl wackelte, durchgedrungen war. Also erstmal ganz aufstehen und überprüfen was für Gleichgewichtsstörungen ich plötzlich habe. Hmm irgendwas ist komisch, was ist hier nur anders, warum rennen da draußen Leute auf die Straße und warum klabbert alles. All diese Umweltinformationen und die Tatsache, dass ich praktisch direkt auf den San Andreas Graben sitze, sollten eigentlich ausreichen, um mit einem, normal arbeitendes Hirn, zu der Schlussfolgerung Erdbeben zu kommen. Ich jedoch brauche für diese Schlussfolgerung genau so lange wie die Erde gebebt hat, nämlich 13 Sekunden. Klasse, neben mir könnte wahrscheinlich auch ein Lavastrom entlangblubbern und ich müsste erst Nachrichten schauen um zu verstehen, dass gerade ein Vulkan ausbricht. Insgesamt war es mit 5,6 auf der Richter-Skala, ein mittelschweres Erdbeben, jedoch war das Zentrum circa 20 Meilen von mir weg, daher war es nicht so schlimm und da keiner verletzt wurde kann ich auch sagen; echt cool :-). Wobei ich nicht gerade scharf drauf bin „the big one“, auf welches alle warten, mitzubekommen. Herrlich war auch die Berichterstattung auf einigen TV-Sendern, die Leuten haben sich geradezu mit den heftigsten Augenzeugenberichten im TV gebattelt. Wobei die Sender bei der Auswahl scheinbar auch äußerst akribisch darauf geachtet haben nur neutrale, belegbare, faktenreiche und vor allem wahrheitsgetreue Beiträge zu senden. Man kann sich das in etwa so vorstellen: Ich wohne 100 Meilen entfernt von San Francisco, das Erdbeben hat mich eiskalt erwischt, die Wände haben gewackelt, der Dachstuhl geächzt, meine Katze hat 5 Rückwärtssaltos geschlagen und dabei die Zauberflöte von Mozart miaut, ich habe meine 5 Kinder, meine blinden Vater mit nur einer Hand aus dem, inzwischen brennende Haus gerettet und das obwohl ich im Rollstuhl sitze; trotzdem hab ich 5 Minuten später Zeit, den Sender anzurufen und ihm meine Geschichte mitzuteilen. Schließlich ist es wichtig, dass die Menschen da draußen wissen was im Krisengebiet los ist, ich wollte auch nicht einfach nur ins Fernsehen, nein ich wollte nur den tapferen Helfern, dort draußen in der Erdbebenhölle von San Francisco, meine Dankbarkeit zeigen. Echt lächerlich und ich dachte Bild-Zeitung wäre gut im übertreiben!
Gut zu der letzten Woche und dem Wochenende. Auch bei mir kehrt hier langsam Alltag ein: 9 Stunden arbeiten, schlafen, chaten & telefonieren, essen und Wäsche waschen füllen meine Wochen eigentlich ganz gut aus. Daher vergehen diese recht schnell, und ehe man sich versieht ist man schon wieder Mitten im Wochenend-Roadtrip. Diese Mal sollte es in den, circa 4 Stunden entfernten, Yosemite National Park gehen. Der Park an sich hat eine kreisrunde Form und ist mit einem Durchmesser von cicra 100 Meilen einfach riesig. Das haben die Amis schon drauf, ah hier ist es schön, ok dann machen wir mal ne Fläche von der Größe Frankens zum National Park, fertig! So am Rande; das was im Folgendem als „Wir“ bezeichnet wird, war eine kunterbunte Gruppe von 7

Deutschen, die sich irgendwie durch Studivz, Siemens und CDS kennen lernte und davor wenig bis gar nichts miteinander unternommen hat, trotzdem war es einfach super. Also, wir haben uns im Zentrum des Parks, im Yosemite Valley, niedergelassen. Im Sommer hätte man sich hier vor lauter Leuten gar nicht retten können, doch jetzt in der Off Season, war es ziemlich ruhig. Andere Orte wären eh nur schwer erreichbar gewesen, da die meisten Straßen wegen Schneefall bereits bis nächstes Frühjahr gesperrt sind. Gehaust haben wir in einem recht urigen Stelzenhaus, das nur aus ein paar Holzbalken und einer Zeltplane bestand. Am Samstag war eine Wanderung zu ein paar Wasserfällen angesagt. Die Tatsache, dass der erste Teil des Weges wirklich geteert war, (hallo! geteert, ein Wanderweg, zum kotzen!!!), lässt darauf schließen, dass sich hier im Sommer wirklich Massen von dicken Amerikanern den Weg hochrollen. Daher war ich echt froh, dass off season war, auch wenn dadurch die Wasserfälle etwas kleiner ausfielen (Wassermangel). Am Sonntag machten wir uns noch auf den Weg zu Hetch Hetchy, einem kleinen Stausee am Rande des National Parks, welcher eher wie ein norwegisches Fjord aussieht. Da noch die letzten Regenwolken der Nacht in den Bergen hingen, war der Ausblick fantastisch.
Yosemite, also mitten in der Natur und der erfahrene Leser (an dieser Stelle Danke für alle die sich durch all diese viele Zeilen quälen) weiß inzwischen was das heißt: Essen in Bear-Boxen verstauen. Scheinbar hat sich mein Geist noch nicht so ganz von der Whitney Wanderung erholt, denn erneut wurde der, extra für Übernachtungen in nordamerikanischem Bärengebiete angelegten und von Paranoia geplagter, Hirnteil zum Leben erweckt. Folgender Traum: ich liege in dem Bett in meinem Zelt, spüre irgendwas an meinem Fuß ist, wach auf, schau zu meinen Beinen runter und was ist da, na klar was auch sonst, ein Bär. Ich schnelle also im Bett hoch und will schreien doch irgendwie entweicht meiner Kehle kein Laut; aufrecht im Bett sitzend hat mich die Realität wieder. Super, ich hasse solche Träume, in denen man träumt, dass man träumt (ja das war ein Satz zum Mitdenken). Vorsichtig schau ich mich im Zelt um; Glück gehabt!, da keine Finger auf mich zeigen und niemand an einem Lachkrampf stirbt habe ich scheinbar wenigstens nicht wie ein kleines Kind geschrieen. Neben den, wegen aussterben, geschützten Traumbären gab es auch jede Menge andere Tiere: Eichhörnchen,

Erdmännchen, Adler, (wir steigern uns langsam), Rehe, Hirsche (noch ein bisschen mehr Stoff), einen Wolf und (Schlussspurt) ein Bär. Ha! ich bin nur halb paranoid, es gibt sie hier wirklich. Nachdem ich zwei Tage gejammert habe, dass ich einen Bär sehen will, laufe ich um eine Ecke und da isser. Ich natürlich sofort Kamera raus – habe meinen 12*Zoom noch nie so geliebt – und fröhlich am knipsen. Dann ist der Bär hinter nem Busch verschwunden, also halte ich genau auf die Ecke an der er wieder rauskommen wird und - wow ist der durch den Zoom nahe. Das gleiche hat sich der Bär wohl auch gedacht und fängt an zu rennen, ich fand die Idee gar nicht so schlecht, (weg)rennen ist doch viel cooler als fotografieren :-). Es hat sich rausgestellt, dass der Bär nur zur Seite gerannt ist und nicht auf mich zu, aber da war wohl wieder dieser Bärenhirnlappen bei mir aktiv (den anderen ging es genau so).

Werde euch auf jeden Fall auf dem laufenden Halten, ob diese Konfrontationstherapie die Paranoia gelindert hat. Noch ein paar Fakten, das Bärchen wäre aufgerichtet circa 3 Meter groß, 150 kg schwer und irgendwie schaffen es diese Viecher auf bis zu 50 km/h. Zusammenfassung zum Wochenende, super Gruppe, viel gelacht, viel Spaß, atemberaubende Natur, also genau mein Ding. Zu guter Letzt noch einige kulturkritische & philosophische Ergüsse, welche unsere Gruppe am Wochenende in geistreichen Konversationen und Debatten zu Tage gefördert hat.
1.Wenn irgendeiner dir in Amiland einen Gefallen tut sag einfach „appreciate!“ er wird darauf antworten „confirmed“, hört sich zwar bescheuert an ist aber so.
2.Wenn die Sonne weg ist, wird’s gleich schattig
3.(Alle weiblichen Leser mögen mir verzeihen, aber es ist ja auch nur Spaß und im Hirn von dummen dummen Jungs entstanden) Eine Beziehung zu einer Frau ist wie ein Feuer, welches man mit Geldscheinen befeuert. Man schürt kräftig ein und bekommt dafür ein bisschen Wärme zurück. Aber Vorsicht, man kann sich leicht die Finger verbrennen und wenn man nicht aufpasst, ist das Feuer für immer erloschen und es bleibt nur Asche zurück.
Und bezüglich letztes Bild: @ Mum: Sorry das musste sein, Vivien hat mich schon geschimpft :-)




5 Kommentare:
Mensch Schnubbi,
ich muss ja sagen, deine WE-Trips und alle restlichen Erfahrungen sind ja auch nicht ganz ohne. Sehr schoene Bilder!!!
Immer schoen weiterreisen und berichten, macht Spass!
Schnubbi, also sorry mum reicht wohl nicht, da musst du nen Fleurop-Strauß schicken! Mensch Junge bist du denn des Wahnsinns:-)
Sonst war dein bericht natürlich wie immer erste Sahne:-)
Viele Grüße aus dem Land, wo es angeblich Elche geben soll, wir aber noch nicht mal ansatzweise was von diesen Viechern gesehen/ gehört haben!
Julia
Ich fasse mich kurz: NEID!
einfach nur geil. NEID - irgendwie haben wir hier in finnland nicht nur unterkuehle finnen, sondern auch unterkuehlte studivz leute - denn mit uns will keiner was anfangen :-(
Ich bin so neidisch....ich hab hier nur Beton, Beton und Beton. Und wenn ich aus dem Beton raus will muss ich erstmal 1,5 Std. im Zug stehen...und wenn ich dann endlich drausen bin, kann ich werder was lesen, noch leute nach dem Weg fragen und auch sonst überhaupt, hast du mal einen schrein gesehen, dann schaun alle anderen gleich aus....oh man, lass weiter schön krachen.
Gruß
Marc
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