Dienstag, 6. November 2007

Halloween, Shoppen und Kreditwürdigkeit

Halloween
Halloween ist den USA wirklich ein großes Event, speziell zu diesem Anlass öffnen auch Halloween Super Stores und wenn die Amis etwas super nennen, dann hat das auch einen Grund. Unglaublich, so viele verschiedene Kostüme, Accessoires und Dekorationsgegenstände. Noch größer als die Stores, scheinen nur die Geldbeutel der Amis für dieses Fest zu sein, einfach unfassbar wie viel Geld die in diesen Läden lassen. Es wird fast so viel Geld wie für Weihnachten ausgegeben, denkt daran wie die Häuser an Weihnachten geschmückt werden, dann könnt ihr euch vorstellen wie es hier aussah. Bei all diesem Halloween-Hype, konnte auch ich alter Faschingsmuffel mich nicht wehren und stürzte mich somit als Master of the Death in das Halloweengetümmel. Unser Ziel; die Castor-Street, in welcher seit vielen vielen Jahren immer eine große Halloween Parade stattfindet. Dort angekommen, gab es aber nur eine Parade, eine Cop-Parade: Polizei-Pickups, Straßenabsperrungen, Polizei-Motorräder und alle 50 Meter 3 Cops. Ich erfuhr dann, dass letzte Jahr 9 Leute erschossen wurden und die Stadt daher beschlossen hat die Parade zu streichenL. Nichtsdestotrotz war das Viertel einen Besuch wert. Es ist allgemein bekannt, dass San Francisco die Schwulenhauptstadt von Amerika ist. Jedoch bekommt man davon nicht viel mit, außer man geht in dieses besagte Viertel, welches sozusagen das homosexuelle Zentrum darstellt. Daher gab es einige ungewöhnliche Schaufenster (lasst doch einfach eurer Phantasie freien Lauf), viele echt merkwürdige Halloweenkostüme und Restaurants, in denen ausschließlich männliche Paare sitzen, (echt ein komisches Bild) zu sehen. Da es keine Parade gab und das Viertel nicht ganz unseren Neigungen entsprach, sind wir etwas gefrustet und total planlos durch SF gefahren in der Hoffnung doch noch eine tolle Party zu finden. Dann an einer Ecke einen netten Club entdeckt, Auto geparkt, ID gezeigt und schon waren wir drin. Äußerst komisch, ich zahle keinen Eintritt, bekomme 2 Willkommensdrinks und es gibt ein kostenloses Buffet, da stimmt doch irgendetwas nicht. ES stellte sich heraus, dass es sich um eine Erstsemesterparty der University of San Francisco handelte und wird dort eigentlich gar rein gedurft hätten. Juhuhu eine College Party gecrasht :-) Insgesamt war die Stimmung absolut genial, und von wegen prüdes Amerika! Hier kann es schon mal passieren, dass plötzlich 30 Leute auf die Bar springen und die Tanzfläche spontan um und auf die Bar verlagert wird. Eines muss man den Amis lassen, sie wissen wirklich wie man Party macht.

Klein aber fein
Soviel zu Halloween, nun mal wieder ein paar Unterschiede zwischen USA und good old Germany.

- Mich faszinieren diese Waschmaschinen. Zu aller erst sehen sie komplett anderes aus und scheinbar sind sie auch nicht wirklich dafür konzipiert Wäsche zu waschen. Denn wenn man sie wirklich voll macht, muss man zweimal waschen damit alles sauber wird, oder man lässt die Waschmaschine einfach nur halb voll laufen.

- Jeder Autokofferraum hat hier auch einen Nothebel, mit welchem man den Kofferraum von Innen im Notfall öffnen kann. Warum? Zuerst könnte man denken, dass es einfach eine Sicherheitsvorkehrung ist, z.B. falls man von Gangstern eingesperrt wird. Vielleicht hat sich auch mal ein Ami eingesperrt, daraufhin die Autohersteller auf 1000000000000000000 $ verklagt und recht bekommen (es steht auch in jedem Seitenspiegel „objects appear farer than they are“). Inzwischen kenne ICH jedoch den wahren Grund. Die amerikanischen Gesetzte besagen: Kein Alkohol in der Öffentlichkeit und kein Alkohol in der Fahrerkabine eines Autos. Was macht man jetzt wenn man vor der Disco zuhause vorglüht und auch auf den Weg noch ein Bierchen trinken will, das ist ja verboten! Die Lösung: Man stellt das Auto vor der Disco ab, klettert in den Kofferraum, macht diesen zu, nun ist man nicht mehr in der Öffentlichkeit und auch nicht in der Fahrerkabine, das heißt man darf trinken, und jetzt noch den - extra dafür angebrachten - Vorglüh-Hebel im Kofferraum betätigen und schon ist man wieder aus dem Auto draußen, hat ein Bier getrunken und gegen kein Gesetz verstoßen. Clever!

- Nächste Herausforderung: Ich wollte mir ein Fahrrad kaufen. Hab schon alles rausgesucht, verglichen, mich für eines entschieden und will nur noch bezahlen. Leider ist es hier so, dass einige Online-Shops keine deutschen Kreditkarten annehmen, ebenso kein deutsches PayPal Konto, dann nimmt man einfach seine amerikanische Kreditkarte. Denkste!, da ich Ausländer bin und noch nicht über eine credithistory verfügen, wird auch diese Karte nicht angenommen. Denn in Amerika ist es so: Leute die 100.000 $ Schulden haben, aber brav monatlich 250 $ für die nächsten 100 Jahre zurückzahlen, sind vertrauenswürdige als absolut schuldenfreie Menschen, denn bei denen weiß man schließlich noch nicht ob die ihr Schulden wieder zurückzahlen ?????? Ich musste mir dann extra von meiner Bank bestätigen lassen, dass ich genügend Geld habe um dieses Fahrrad zu kaufen. Hallo?, Diskriminierung ich will irgendjemanden verklagen und reich werden!

- Noch etwas sehr wichtiges habe ich heute gelernt, hier in den USA darf nicht jeder einen Feuerlöscher benützten, sondern nur speziell ausgebildeten Personen.

- Zu guter Letzt, was machen zwei Corvetts die sich zufällig auf dem Highway treffen? Na klar, kurz nebeneinander fahren, bis 3 zählen, Vollgas geben und mal schön ein kleines Rennen veranstalten. Sollte euch das mal passieren, dann stellt schnell auf Umluft um sonst könnte der Geruch von verbrannten Gummi eure Lungen verpesten.

Last Weekend
Gut dann das letzte Wochenende. Am Freitagabend sind wir zu einem Viewpoint mit Blick auf die Golden Gate + SF gefahren und haben uns dort den Sonnenuntergang und die nächtliche Aussicht angesehen. Das gute daran, man zu diesem Viewpoint circa 5 Minuten zu Fuß gehen. Was heißt das, richtig! Kein Ami weit und breit, da man mit dem Auto nicht hinkommt  Am Samstag war ich mit Michael, einem anderen Intern, in einer großen Outlet Mall. Leider kann ich euch nicht mehr genau sagen, was dort passiert ist. Ich weiß nur noch, dass ich ausgestiegen bin und nach 5 Stunden wieder im Auto saß. Die Zeit dazwischen ist leider in einen Schleier der Unwirklichkeit gehüllt. Sicher ist nur, ich kam mit vielen vielen Tüten, einer glühenden Kreditkarte und der Erkenntnis - es ist so günstig, dass nichts kaufen Sünde wäre - zurück. Ab jetzt werde ich mich von diesem Ort fern halten (zumindest bis ich Besuch bekomme)! Es ist dort einfach zu gefährlich und es gibt nur einen Schutz: das Kreditkartenlimit. Zu den Ausmaßen, trotz 5 Stunden Zeit habe ich es noch nicht mal geschafft jeden Shop zu betreten. Am Sonntag hieß es dann Halbmarathon (entspricht 13 Miles) in San Francisco. Zu aller erst zu dem Starterfeld, einige extrem professionelle Läufer (Bestzeit 01:08:20 !!!!), dann 70 % Hobbysportler und der Rest der Leute, wirklich zum Brüllen: Trinkrucksack mit 3-Liter-Blase auf dem Rücken und das obwohl es alle 2 Meilen eine Wasserstelle gibt, andere tragen auch gleich mal zwei 1 Liter Flaschen in der Hand oder bauen sich einen Gürtel aus 10 PowerBar Riegeln, ganz beliebt ist es auch noch den MP3 Player die ganze Zeit in der Hand zu halten, zusätzliche Wechselklamotten mitzunehmen oder einen Fotoapparat mitzuschleppen. Zu den 70 % Hobbysportlern, die sind eigentlich genau wie bei uns, mit zwei kleinen Unterschieden: 1. Ohne Ipod am Oberarm kann man hier scheinbar nicht laufen, 2. beim warm machen vor dem Start braucht man unbedingt einen Starbucks Coffee. Gut jetzt zu dem Lauf, einmal kurz durch Downtown, am Pier entlang, über die Golden Gate und zurück. Außerdem war in der Streckenbeschreibung vermerkt: „three hills“. Ok ich bin in San Francisco, da ist es nun mal hügellich, trotzdem heißt hill noch immer Hügel! Ich hätte nie gedacht, dass 3 Hills = 2 Grünsberge sind (für alle BM051 sagen wir 3 Hills = 1/3 Stimmstamm). Ich sag’s euch, ich bin 1000 Tode gestorben und dann kommt auch noch so ein Hügel direkt vor dem Ziel, schrecklich! Außerdem haben sich die Organisatoren noch einen riesen Spaß erlaubt. Es gab jede Meile so Schilder zu Orientierung wie weit man schon gekommen ist. Kurz zu dem Hintergrund; einige Läufer (vor allem ich) verlieren (speziell gegen Ende des Lauf) das Gefühl für Entfernungen, daher sind diese Schilder sehr wichtig für die Psyche. Ich also bei Meile 11, schlepp mich total fertig mehr schlecht als recht die Strecke entlang, und es kommt kein Schild mit der 12, dann noch dieser Hügel, noch immer keine 12. Ich also am japsen, keuchen, hächeln und warte auf diese Schild mit der 12, und es kommt und kommt nicht, ich hätte heulen können, 1 Meile kann doch nicht so verdammt lange sein! Und was war, die Idioten haben das Schild mit der 12 vergessen, wollen die dass ich verrückt werde! Naja, ich hab’s auf jeden Fall geschafft, hab jetzt einen Poser-T-Shirt auf dem San Francisco Half-Marathon und „I ran the Golden Gate“ steht und mit einer Zeit von 01:49:38 bin ich auch ganz zu frieden. Viel überraschender finde ich jedoch, dass ich mir dieser, nicht wirklich guten Zeit, 214er von circa 4000 wurde! Außerdem hat der Wettkampf noch einen weiteren Vorteil, ich habe neue Wörter gelernt, cramp heißt zum Beispiel Krampf, sore muscles heißt Muskelkater und hobbel heißt humpeln. Schließlich muss man den Kollegen irgendwie klar machen, dass man nicht von einem Auto angefahren wurde sondern nur ein bisschen Sport gemacht hat :-) Nach dem Lauf war ich noch kurz im Golden Gate Park. Echt unglaublich absolutes Dschungelfeeling mitten in San Francisco.
Außerdem bin ich mir jetzt absolut sicher dass meine Vermieter gar keine Amis sind, sie fragten mich nämlich am letzten Freitag was ich eigentlich von Mrs. Merkel halte!

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